Geht’s eigentlich noch?

Frau J. Daniels bittet um die Veröffentlichung Ihres Leserbriefes.

 

Viele Menschen sind gerade ebenso verwundert wie verärgert, denn irgendwie drängt sich das Gefühl auf, dass die gestrige Wahl von Herrn Kemmerich dramaturgisch genauestens inszeniert war, um auf diesem charmanten Weg endlich die Neuwahlen herbeizuführen, von denen sich die Altparteien ein besseres Abschneiden zulasten der Linken und der AfD erhoffen. Damit hat sich insbesondere die FDP einen Bärendienst erwiesen, was vom Wähler bei der anstehenden Neuwahl hoffentlich auch entsprechend abgestraft wird. Herr Kemmerich gibt nun das von der AfD reingelegte Bauernopfer und versucht gerade angestrengt, sein angeschlagenes Image wieder aufzupolieren.

Augenscheinlich ist er aber lediglich eine weitere rückgratlose Spielfigur auf dem politischen Schachbrett, von denen dieses Land wahrlich schon mehr als genug hat und demzufolge durchaus obsolet. Abgesehen davon ist der große Schaden, den die Demokratie durch diese unsägliche Scharade erlitten hat, nicht so einfach von der Hand zu weisen, wie viele Politiker das jetzt gerne hätten. Nicht etwa die AfD hat sich hier antidemokratisch verhalten, wie das jetzt dargestellt wird, sondern der gesamte Rest des Parlaments mitsamt Ihrer jeweiligen Chefetagen, die gestern untereinander mutmaßlich etliche Telefonate geführt haben, deren Ergebnis man uns nun als unabdingbar präsentiert. Oder möchte man der AfD jetzt auch noch verbieten, zielführend abzustimmen?

Auch wäre es doch mal interessant zu erfahren, ob der Aufschrei ebenso gewaltig gewesen wäre, wenn die AfD-Fraktion gestern Bodo Ramelow gewählt hätte und dann dessen Handlungsweise die gleiche gewesen wäre, die man es nun Herrn Kemmerich abverlangt. Mutmaßlich eher nicht, denn dann hätte es im Ergebnis ja gepasst. Und es ist auch egal, denn die Neuwahlen mischen die Karten nochmal neu. Offensichtlich können also demokratisch herbeigeführte Wahlergebnisse tatsächlich unverhohlen solange manipuliert werden, bis es für den Mainstream passt. Und genau das darf in einer Demokratie eigentlich nicht passieren. Letztlich wird man es aber irgendwie schaffen, auch dafür der AfD die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Somit läge es zunächst an den Wählern in Thüringen, solch unsägliches Treiben wider der Demokratie gleich im Keim zu ersticken. Aber aufgrund der großen Linkslastigkeit dieses Bundeslandes kann man diesen Gedanken eigentlich auch gleich wieder getrost begraben. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vielleicht sind ja endlich mal ein paar Langschläfer aufgewacht und sehen mit ihren jetzt offenen Augen etwas genauer auf die Posse, die in ihrem Landtag gerade läuft, um bei der Neuwahl durch ihre klug eingesetzte Stimme das starke Signal an alle politischen Akteure zu senden, doch zukünftig auf solche demokratiefeindlichen Spielchen zu verzichten. Denn auch das hatten wir; zumindest in einem Teil Deutschlands, schon und haben keine guten Erfahrungen damit gemacht.

Jacky Daniels

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1 Kommentar

  1. Genau so wie es hier geschrieben ist, besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

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