Verdi ruft zum Protest

Ein ehemaliges Verdi-Mitglied hat uns diese Mail zur Verfügung gestellt,

mit der Bitte um Veröffentlichung.

 

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Am 19.08.20, 14:33 schrieb “Kxxxxxxxxxx, Mxxxxx” <Mxxxxxx.Kxxxxxx@verdi.de>:

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

 

wir rufen auf zum Protest gegen den Landesparteitag der AfD in Braunschweig.

 

Kollegiale Grüße

 

Mxxxxx  Kxxxxx-Nxxx

 

Gewerkschaftssekretärin

Fachbereich Besondere Dienstleistungen

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft

Bezirk Region Süd-Ost-Niedersachsen

Wilhelmstr. 5

38100 Braunschweig

 

ver.di Zentrum (Fragen/Antworten rund um die Mitgliedschaft)

und individuelle Rechtsberatung unter Tel.: 0531-244080

 

Mail für Fragen/Antworten rund um die Mitgliedschaft: service.nds-hb@verdi.de

Mail für individuelle Rechtsberatung: Beratung.sued-ost-nds@verdi.de

 

Eine tarifzuständige Gewerkschaft darf sich an ArbeitnehmerInnen über deren betriebliche E-Mail Adressen mit Informationen oder Werbung wenden. Die Entscheidung einer Gewerkschaft, ArbeitnehmerInnen auf diesem Weg anzusprechen, ist Teil ihrer im Grundgesetz geschützten Betätigungsfreiheit. Gültige Rechtsprechung Bundearbeitsgericht BAG.

Im Zuge der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union (Inkrafttreten am 25. Mai 2018) möchten wir mitteilen, dass deine/ihre Kontaktdaten (Name und E-Mail-Anschrift) zum Zweck der Versendung von Infomails in unserer Datenbank gespeichert sind.

Doppelsendungen bitten wir zu entschuldigen.

 

 

Von: Wxxxxxx Sxxxxxxx
Gesendet: Mittwoch, 19. August 2020 09:14
Betreff: Stoppt die AfD! – AfD-Landespaerteit 12./13.09.2020 in Braunschweig

 

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Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

 

einige wissen es schon: Am 12. und 13. September will die AfD in Braunschwieg ihren Landesparteitag durchführen!

Die mehr als 20.000 Demonstrant*innen gegen ihren Bundesparteitag am 30.11. letzten Jahres in Braunschweig haben wohl noch nicht ausreichend überzeugt.

Diesmal haben sie ihren Platz in der privat geführten Milleniumhalle gefunden. Da war dem Eigentümer die Kohle offensichtlich so wichtig, dass er diesem Haufen von Rechtsextremisten tatsächlich Unterschlupf gewährt.

Wer seinen Protest gegen die Vermietung einlegen will, ist dazu herzlich eingeladen:

MEC Millenium Event Center GmbH

Madamenweg 77

38120 Braunschweig

Tel.: 0531 / 87446336

info@mec-bs.de

 

Das Braunschweiger Bündnis gegen Rechts wird auch diesen Auftritt nicht ohne Protest vorüber gehen lassen!

Wir rufen auf zu Protesten am 12.09. vor der Halle und anschließend in der Innenstadt (siehe Aufruf im Anhang).

Dazu wollen wir Euch schon jetzt ganz herzlich einladen und bitte Euch diese Information weiterzuverbreiten.

 

danke im Voraus und viele Grüße

 

Sxxxxxx Wxxxxxxxxx

 

Geschäftsführer

ver.di Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen

 


Hier das Antwortschreiben des ehemaligen Verdi-Mitgliedes:

SOFORTIGE KÜNDIGUNG MEINER MITGLIEDSCHAFT

Guten Tag, ich habe gestern eine Mail von Ihnen erhalten, Kxxxxxx Mxxxxxx, in der Sie mich auffordern, beim Landesparteitag in Braunschweig, gegen die AFD zu protestieren.

Das werde ich auf  keinen Fall machen.

Seit der Corona Krise bin ich für die AFD!! Werde diese auch wählen!

ICH FINDE ES EINE RIESENGROßE SAUEREI, DASS SIE ALS GEWERKSCHAFT, PARTEIISCH TÄTIG SIND!
MICH UND WAHRSCHEINLICH AUCH ANDERE MITGLIEDER DAZU AUFFORDERN SICH GEGEN DIE AFD PARTEI ZU STELLEN!
DAMIT UNTERSTÜTZEN SIE JA WOHL EINE DER SOGENANNTEN ALTPARTEIEN!
ICH BIN FASSUNGSLOS!

ICH KÜNDIGE MEINE MITGLIEDSCHAFT PER SOFORT!
MEINE KONTOVOLLMACHT ZIEHE ICH PER SOFORT ZURÜCK!

JEDE ZUKÜNFTIGE ABBUCHUNG VON MEINEM KONTO BUCHE ICH ZURÜCK.

Ich werde Ihre Vorgehensweise bekannt machen, ich werde mich auch damit an die AFD wenden. Ist für die AFD vielleicht auch interessant zu wissen wie Verdi ihre Stellung als Gewerkschaft missbraucht.

Nicht mit freundlichen Grüßen

B.M. *

* Der Name ist der Redaktion bekannt.

 

3 Kommentare

  1. Gudrun Eckbrett

    Auch ich sehe in dem Aufruf zum Protest gegen die AfD einen Missbrauch der Mitgliedsdaten seitens Verdi- immerhin eine der Institutionen, die sich die hehren Werte der Demokratie und Meinungsfreiheit auf die Fahnen geschrieben haben, dennoch diese ad absurdum führen, indem sie zum Protest gegen Parteitage einer missliebigen, aber rechtsgültig demokratisch gewählten Partei aufrufen und offenbar nicht mein Demokratieverständnis teilen, daß man auch andere Meinungen aushalten muss und miteinander reden sollte.
    Kürzlich hat Verdi sogar einen Flyer als “Handlungshilfe gegen Rechtspopulisten in Betrieb und Verwaltung” herausgegeben, in dem man detallierte Hinweise findet, wie man mit gezielten Fragen solche herausfinden kann….was soll das? Immerhin hat sich der Bundesvorstand von Verdi jetzt davon distanziert, und erst einmal ist diese Handlungshilfe wieder in der Versenkung verschwunden.Mal sehen, wie lange….
    Ich finde es erschreckend, daß eine Gewerkschaft überhaupt so etwas herausgeben konnte, soll sie doch den Betriebsfrieden unterstützen und nicht Misstrauen und Bespitzelung befördern. zudem wurde sie gegründet , um die Rechte von Arbeitnehmern zu schützen und durchzusetzen.
    Nicht aber, um sich politisieren zu lassen und ihre Mitglieder dafür einzuspannen.
    Aus ebendiesem Grund ist das o.g. Mitglied sofort ausgetreten- und aus diesem Grund distanziere ich mich nach sehr langjähriger Förderung und Engagement jetzt von Greenpeace, ebenfalls eine Institution , die sich urplötzlich politisiert.
    Für mich sind solche Aufrufe an Mitglieder, sich politisch zu positionieren, defintiv ein Missbrauch der Mitglieder dieser Institutionen.
    Schön, dass es noch klardenkende , konsequente Menschen wie das o.g.(jetzt ehemalige) Gewerkschaftsmitglied gibt und dass es noch Vermieter(wie den des Saales für den Parteitag) gibt, die nicht einknicken.

  2. Edith Gata
    21. August 2020
    In dem Schreiben an ihre Mitglieder offenbart die Gewerkschaft meines Erachtens totalitäre Züge. Sie setzt einfach voraus, daß alle Mitglieder die “offizielle ” Gewerkschaftsmeinung bezüglich der AfD teilen und dem
    Protestaufruf gegen diese demokratisch gewählte Partei gehorsam folgen werden.
    Eine vom sogenannten Mainstream abweichende Meinung darf es wohl in dieser Gewerkschaft nicht geben.
    Ein solches Verhalten nenne ich Meinungsdiktatur!
    Es macht allerdings Mut, daß sich nicht alle Mitglieder – wie das oben erwähnte Beispiel zeigt – dieser Diktatur
    unterwerfen wollen.

  3. Christoph Cless

    Ein paar Fragen an unsere Gewerkschaften:
    Was sind, oder wären eigentlich die Aufgaben der Gewerkschaften:

    Die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen.

    Wie waren da noch gleich die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in der Fleischindustrie (Tönnies und Co)?
    Da gibt es seit vielen Jahren unwürdige „Werkverträge“, übrigens genauso in der Transportbranche (Kraftfahrer und Paketzusteller).

    Wie sieht das mit den Mitarbeitern in den Amazon-Versandzentren aus?

    Wie viele Jahre lang haben die Leute in der Gesundheitsbranche , (siehe Asklepios Seesen), von der Gewerkschaft keine Unterstützung erhalten?

    Welches gewerkschaftliche Aufbegehren kennen wir in Richtung Leiharbeitsfirmen?

    Wer hat eigentlich die Stimme erhoben, als die gesetzlichen Grundlagen für die oben genannten Missstände
    von Regierungskoalitionen unter Mitwirkung der SPD beschlossen wurden?
    Die Stimme der Gewerkschaften habe ich damals und jahrelang nicht gehört.

    Es gäbe also viel zu tun für die Genossen.

    Stattdessen wird die AfD zum Feindbild erklärt und zur Gegendemonstration beim Landesparteitag aufgerufen.
    Warum eigentlich? Welche AfD-Aussagen schaden denn angeblich den Interessen deutscher Arbeitnehmer?
    Da gibt es ein Grundsatzprogramm und Wahlprogramme jeweils mit Kapiteln zu Wirtschaft und Finanzen.
    Könnte man ja mal Bezug drauf nehmen, aber Fehlanzeige.

    Das Ganze ist doch nur noch jämmerlich.

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