Demokratieverständ-nis eines Abgeordneten

Sehr geehrter Herr Wehrmann,

Ihr Online-Kommentar zu einem Leserbrief einer Goslarer Bürgerin hinsichtlich unvollständiger Berichterstattung der Goslarschen Zeitung über einen nicht unbedeutenden Sachverhalt hat mich mehr als befremdet.

Sie sind Abgeordneter eines Lokalparlaments, haben aber eine Haltung und Ausdrucksweise, die mich an Deutschlands dunkelste Zeit erinnert.

Ihr Verständnis von demokratischer Grundordnung, besonders hinsichtlich der dritten Gewalt im Staate, scheint, bei allem Respekt, nicht sehr ausgeprägt zu sein. Deutschland ist ein Rechtsstaat, und wenn Unrecht geschieht, wird dies noch nach Recht und Gesetz korrigiert. Und nicht nach Gutdünken mal so oder anders gehandhabt. Wenn etwas „mitunter aufgehoben“ wird, wie Sie schreiben, dann ist dies ein Ergebnis von Beweisaufnahme und gesetzeskonformer Beurteilung und nicht Ergebnis eines bierseligen Stammtisches! Ihre Bagatellisierung und Inschutznahme der Goslarschen Zeitung ist m. E. skandalös und anbiedernd zugleich. Möglicherweise ist Ihnen deren unvollständige Berichterstattung noch nicht bewusst geworden. Gern gebe ich Ihnen Nachhilfe.

Als Abgeordneter sollten gerade Sie ein waches Auge Ihr Eigen nennen.

Wer Demokratie ohne Abstriche beschwört, und dies unterstelle ich Ihnen, sollte derartiges Verhalten der Presse nicht dulden und schon gar nicht rechtfertigen. Selbst, wenn Ihnen Gerichtsentscheidungen politisch noch so sehr gegen den Strich gehen.

Ihre Glaubwürdigkeit insgesamt als Parlamentarier steht auf dem Spiel.

Vorgenanntes könnte man eventuell noch als Ergebnis von Oberflächlichkeit oder/und Arbeitsüberlastung bezeichnen und somit Nachsicht üben.

Was allerdings überhaupt nicht geht, ist, dass Sie Menschen, wie einst die Nazis, als Rattenfänger titulieren. Diese Art der Sprache ist von Hass geprägt und verengt Ihr Herz, Herr Wehrmann, und macht Sie zu einen einsamen Menschen.

Mir behagen jene, die mit Symbolen und Sprüchen jedweder Art an dunkelste Zeiten unseres Landes erinnern, nicht weniger als Ihnen. Und ich hoffe schon gar nicht, dass Sie mit Ihrer Ausdrucksweise Mitbürger gemeint haben, die mit beiden Füßen auf dem Boden unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen und sich nicht weniger um unser Land sorgen als Sie.

Auch deshalb sollten Sie sich den großen französischen Philosophen und Aufklärer Voltaire zum Vorbild nehmen, der einmal feststellte: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“

Daher sind Haus-und Sprechverbote untaugliche Mittel in einem Rechtsstaat. Das sind wir unserer Demokratie schuldig!“, um Sie mit Ihren Worten zu zitieren.

Und nicht Verbote, Ausgrenzungen, Angriffe auf Eigentum und Leben Andersdenkender sowie Intoleranz mit Schaum vorm Mund.

Joachim Wedler

Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden von den Autoren selbst verantwortet

und geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder.

 

1 Kommentar

  1. Gudrun Eckbrett

    Da ich persönlich bereits von Herrn Wehrmann attackiert wurde, kann ich nur feststellen, dass die Beschäftigung mit diesem Herrn die Zeit und Mühe nicht wert ist, meiner Meinung nach. Sehr guter Kommentar natürlich, Herrn Wehrmann wird m. E. aber nichts und niemand von seinen vorgefassten Bewertungen abbringen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.