Entwurf einer Grundrente

Zur Diskussion über den Entwurf einer Grundrente von Arbeitsminister H. Heil.

Es ist gut, dass die deutsche Regierung endlich das Thema der Altersarmut aufgreift und Abhilfe schaffen will !

Die Situation ist auch wesentlich bedrohlicher, als uns die Medien immer wieder vorgaukeln.
Immer wieder wird uns berichtet, wie reich Deutschland doch gegenwärtig sei.
Aber:
Von den in 2017 neu in Rentenbezug eingetretenen Rentnern hatten über 50% eine Rentenhöhe unterhalb des Hartz IV- Satzes. Tendenz steigend !
Es ist auch gut, dass das Problem differenziert betrachtet wird und unterschiedliche Ursachen für die geringe Rentenerhöhung vieler Mitbürger benannt werden.
Eine Ursache sind Arbeitsbiographien mit langjährigem Mindestlohn oder Minijobs oder
Arbeitslosigkeit.
Eine andere Ursache ist die ständig steigende Lebenserwartung und damit steigende Anzahl von Rentenbeziehern.
Auf der anderen Seite der Bilanz steht aber auch eine ständig sinkende Anzahl von Einzahlern in unsere Solidarrente,
oder auch anders genannt, die Rente nach dem Generationenvertrag.
Diese Ursache ist der Hauptgrund für unsere Altersarmut, und es ist beschämend, wie alle Parteien, außer der AfD diesen Zusammenhang ausblenden.

Anders als bei einer privaten Rentenvorsorge, z.B. einem Sparvertrag, werden die eingezahlten Beiträge nicht angespart, um dann während des Rentenbezugs ausgezahlt zu werden!
Was die Rentenbeitragszahler in einem Monat einzahlen, wird umgehend an die Rentenbezieher ausbezahlt. Daher der Name Solidarrente.

Man könnte auch sagen, die Rentenbeitragszahlung dient hier nicht der späteren, eigenen, Rentenauszahlung, sondern dem Rentenerhalt der eigenen Eltern!
Im Umkehrschluss müssen sich kinderlose Rentenbezieher der Frage stellen, welche
„Einzahler“ denn ihrem Rentenbezug gegenüberstehen.
Die Geburtenrate, die Anzahl und Qualifikation der einzahlenden Nachfolgegeneration legt fest, wie viel am Ende ausgezahlt werden kann.

Altersarmut kann überhaupt nicht vom demografischen Wandel getrennt betrachtet, oder
gelöst werden.
Als in der Gründerzeit der Bundesrepublik der damalige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard seinen Entwurf des Rentengesetzes dem damaligen Bundeskanzler Adenauer vorgelegt hat, soll er von sich aus darauf hingewiesen haben, dass das System bei sinkender Geburtenzahl nicht mehr funktioniert.
Darauf soll Adenauer geantwortet haben: „Ach was! Kinder bekommen die Leute doch immer!“
Adenauer ahnte damals noch nichts von der „Pille“, von den 68ern, der sexuellen Revolution, oder von “Gender Mainstreaming”.

Wenn heute von CDU und FDP argumentiert wird, wir könnten uns die von H. Heil vorgelegte Grundrente nicht leisten, so muss entgegnet werden:
In allererster Linie können wir uns unseren hohen Grad an Kinderlosigkeit nicht leisten!
Vor wenigen Jahren machte der damalige Präsident des Ifo-Instituts, Prof. Hans-Werner Sinn, einen interssanten Vorschlag zur Lösung dieses Problems:
Der Gesetzgeber möge veranlassen, dass jeder bei Eintritt ins Berufsleben einen dreigeteilten, privaten Rentenversichrungsvertrages abschließen muss, der am Ende seines Berufslebens seine Grundsicherung gewährleistet.

Bei Geburt eines ersten Kindes wird das erste Drittel des Vertrags aufgelöst. Die angesparte Summe steht als Kinderprämie zur Verfügung.
Entsprechend beim zweiten und dritten Kind.
Wer Elternteil von drei Kindern ist, benötigt keine private Vorsorge mehr, weil er durch die
Solidarrente abgesichert ist.
Private Vorsorge benötigen nur Rentner, die im Leben kinderlos geblieben sind!
Der Vorschlag von Hubertus Heil kann nur der Anfang einer Konsolidierung des Rentensystems sein.
Uns stehen noch interessante Auseinandersetzungen bevor.
Salopp könnte man sagen:
Die tolle „Sexuelle Befreiung“ der 68er funktioniert leider nur bis zu deren eigenem Renteneintritt!

Carl v. W. *

* Der Klarname ist der Redaktion bekannt.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden von den Autoren selbst verantwortet

und geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder.

 

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