Aufsatz des Monats

Ein Gastbeitrag:

Josef Kraus ist viel gefragter Bildungsexperte und Buchautor. Er war bis Juni 2017 mehrere Jahrzehnte Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

Fortsetzung

1. Europa ist gewachsener Wertekosmos.

Vergessen wir nicht: Ohne Europas Wertekosmos und Leitkultur gäbe es keine universell geltenden Bürger- und Menschenrechte. Der frühere griechische Staatspräsident Konstantinos Karamanlis (+1995) hat das europäische Gemeingut 1978 unnachahmlich so beschrieben: Europäische Kultur ist die Synthese des griechischen, römischen und christlichen Geistes. Zu dieser Synthese hat der griechische Geist die Idee der Freiheit, der Wahrheit und der Schönheit beigetragen; der römische Geist die Idee des Staates und des Rechts und das Christentum den Glauben und die Liebe.“

Man könnte auch sagen: Europäischer Geist zeigt sich in einer „Ökumene“ aus Judentum, griechischer und römischer Antike sowie Christentum bzw. geographisch verortet aus Jerusalem, Athen, Rom bzw. Golgatha, Akropolis und Kapitol. Vor diesem Hintergrund hat sich in mehr als 2000 Jahren Geschichte das “Europäische” herauskristallisiert. Dazu gehören seit der Antike zum Beispiel der Erkenntnisdrang mit dem Ziel einer Welterklärung im Logos anstelle einer Weltdeutung im Mythos; das Christentum mit seinen Werten sowie mit den Kirchen als Bildungs- und Kulturträgern und als karitativen Einrichtungen; die Aufklärung mit dem Verzicht des Staates auf transzendente Kompetenz sowie mit der Entstehung der ersten modernen Demokratie in den USA (1776).

2. Europa muss christlich geprägt sein, oder es wird nicht sein.

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder hatten mit Gott ihre Probleme. 2004 konnten sie sich nicht auf einen Gottesbezug im Entwurf einer Europäischen Verfassung einigen. An die Stelle der Verfassung trat später der „Vertrag von Lissabon“. Das Ergebnis war ein Kompromiss ohne Gottesbezug. Es wird nur auf das „kulturelle, religiöse und humanistische Erbe Europas Bezug genommen. Ein dezidiert christlicher Bezug fehlt. Hierzu Dostojewski der sagte: Ist Gott erst tot, dann ist alles erlaubt. Oder: „Wo keine Götter sind, walten Gespenster“, mahnt Novalis in seinem Aufsatz ‚Die Christenheit oder Europa’ von 1799.

Es geht aber schon darum, wie christliche Symbole, Bräuche, Traditionen aus falsch verstandener Toleranz zurückgenommen werden. Ein besonders unrühmliches Beispiel war das Auftreten der obersten Repräsentanten der christlichen Kirchen Deutschlands ohne Bischofskreuz auf dem Tempelberg. Papst Benedikt XVI. hat hingegen auf das Kreuz 2006 bei seinem Besuch der Blauen Moschee nicht verzichtet. Oder weitere Beispiele: Ende 2010 wurde in millionenfacher Auflage ein EU-Kalender an Schulen verteilt; sämtliche christlichen Feiertage fehlten. In vielen Schulen sind keine christlichen Weihnachtslieder mehr erwünscht. In Kitas findet der „Laternen-Umzug“ „kultursensibel“ ohne St. Martin statt. Dazu passt – zu Ostern – die Werbung der Buchkette Thalia zum „Hasenfest“ („Die spannendsten Geschenke fürs Hasenfest“). Oder denken wir an die sog. Kinderehen und Genitalverstümmelungen. Siehe etwa die Studie des Bundesfamilienministeriums vom 6.2.2017: In Deutschland sind 47.000 Frauen Opfer von Genitalverstümmelung.

In diesem Kontext eine Anmerkung zum Thema „Islam“: Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern mit Koran und Scharia, den Eckpfeilern des Islam, auch eine Rechts- und Gesellschaftsordnung. Insoweit ist der Islam nicht vereinbar mit dem Grundgesetz. Will sagen: Muslime gehören zu Deutschland, aber nicht der Islam! Der sog. „moderne Islam“ ist ein Mythos. Siehe Basam Tibi: Er ist Syrer, Moslem und weltweit renommierter Orientalist. Von ihm stammte die Idee von einem aufgeklärten Euro-Islam. Tibi hat diese Vision mittlerweile für gescheitert erklärt. Als Beleg mag genügen der dem Islam inhärente Antisemitismus und das frauenverachtende Menschenbild.

Man muss indes den Eindruck gewinnen, dass deutsche Politik davon nichts wissen will und „Unterwerfung“ im Sinne des Romans von Michel Houellebecq praktiziert. Dazu zählt auch die ständige Behauptung, die Gräueltaten von Al Quaida oder IS hätten nichts mit dem Islam zu tun. Natürlich haben sie damit zu tun. Diese Taten sind nicht unislamisch, sondern konsequent islamisch (siehe Sabatina James in ihrem Buch „Scharia in Deutschland“ von 2015 und andere namhafte islamische Schriftsteller).

Immer häufiger hat man den Eindruck, wir passen uns in einem falschen Verständnis von Toleranz, Vielfalt, Bereicherung und Kultursensibilität unter Preisgabe des uns eigenen Menschenbildes schleichend an. Unsere mittel- und osteuropäischen Partner sind diesbezüglich sensibler. In ihrer historischen DNA sind die Sorgen vor solchen Entwicklungen stärker verankert.

Josef Kraus

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Es werden weitere Beiträge von Herrn Josef Kraus folgen!

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